Von Michael Löffler
Am Samstag wird Birgit Prinz ihr 150. Länderspiel bestreiten. Beim WM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Dublin (14.15 Uhr, live im ZDF) hat sie nicht nur Lothar Matthäus erreicht, sie wird auch bald Bettina Wiegmann (154) als Rekordnationalspielerin ablösen. Doch Bestmarken und persönliche Titel sind nicht primär der Anreiz von Prinz. Die 1,79 m große Stürmerin des 1. FFC Frankfurt strebt nach Höherem: „Ich versuche einfach“, sagt Prinz, „immer besser zu werden“.
Trotz der Erfolge blieb d ie Weltfußballerin von 2003, 2004 und 2005 ruhig, bescheiden und manchmal zu selbstkritisch. „Auf dem Platz kann ich damit umgehen, im Mittelpunkt zu stehen. Im Privaten ist es mir zu anstrengend“, sagt die 28-jährige. Bezeichnend, dass statt der sportlich unangefochtenen Prinz ihre extrovertierte Vereinskollegin Steffi Jones als „Werbegesicht“ der Frauenfußball-Szene gilt. Bei dem so deutlich spürbaren Wunsch nach Anonymität kommt der kürzlich zum sechsten Mal in Folge gewählten Fußballerin des Jahres ihr Psychologie-Studienkurs entgegen. „Da wusste am Anfang niemand, wer ich bin. Das war schön, da konnte man sich ganz unbedarft kennen lernen“, berichtet die gebürtige Frankfurterin.
Auf dem Rasen konnte sie sich hingegen noch nie verstecken. Schon bei ihrer Premiere im DFB-Trikot erzielte die damals 17-Jährige nur 17 Minuten nach ihrer Einwechslung den 2:1-Siegtreffer über Italien. Mittlerweile ist sie mit 94 Treffern deutsche Rekordschützin. „Das ist nicht die Messlatte. Ist doch egal, wer die Tore macht. Hauptsache die Mannschaft spielt gut und gewinnt.“, sagt die gelernte Physiotherapeutin. Doch wehe dem Gegner, wenn sie mit ihrem eigenen Spiel unzufrieden ist. Dann zieht sie trotz engster Deckung in ihrer unnachahmlichen Art auf und davon und entscheidet die Spiele praktisch im Alleingang. Das Streben nach der Perfektion hat sie allerdings aufgegeben. „Wäre dies immer noch mein Anspruch, wäre ich 95 Prozent der Zeit unzufrieden. Heute bin ich zufrieden, wenn ein Spiel gut läuft, wenn ich in die Partie integriert bin, wenn meine Pässe ankommen, wenn ich die Zweikämpfe gewinne, wenn ich meine Torchancen nutze.“
Was nicht heißen soll, sie würde nie mehr mit sich hadern. „Ich kann es immer noch nicht ertragen, wenn ich schlecht spiele. Das ist total unbefriedigend“, sagt Prinz, der persönliche Auszeichnungen noch nie sonderlich viel bedeutet haben. Ein Weltstar ohne Starallüren. Während andere vom „Prinzip Prinz“ reden, sagt sie: „Das Team ist alles, ohne die Mannschaftskolleginnen bin ich nichts.“
|